Ich wollte mit den Uelzener Landwirten ins Gespräch kommen – deshalb habe ich sie zu einem agrarpolitischen Fachgespräch mit Uwe Feiler, dem parlamentarischen Staatssekretär unserer Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, nach Veerßen auf den Hof Alms eingeladen. Dabei waren auch Landtagsabgeordneter Jörg Hillmer und Thorsten Riggert, der Vorsitzende des Bauernverbands Nordostniedersachsen.

Warum kümmere ich mich als Bürgermeisterkandidatin der Stadt Uelzen um die Landwirtschaft? Ist Agrarpolitik nicht eigentlich Sache der EU, der Bundes- und Landespolitik? Ich bin überzeugt: wir als Stadt Uelzen müssen die Landwirte in den Blick nehmen!

Gerade hier in Uelzen -nicht nur in der Stadt, sondern in der ganzen Region- liegt es auf der Hand: sieht man sich unsere größten Betriebe, größten Arbeitgeber und größten Gewerbesteuerzahler an, so sind darunter Unternehmen wie Nordzucker, Uelzena, Froneri, die Bohlsener Mühle, Bauckhof, die VSE, Ökokorn Nord, Peters Landhandel, Pfeifer Holz, Bien Holz, Heilmann; dazu kommen die Agrartechnikbetriebe, die Landwirtschaftskammer, der Maschinenring, Agrarberatung, Buchstelle, landwirtschaftliche Ausbildung in der Georgsanstalt und viele andere mehr.

Was haben alle diese Betriebe gemeinsam? Ohne Buern ward dat nix! Das heißt, ein sehr großer Teil der lokalen Wirtschaft ist Abnehmer oder Zulieferer der Landwirtschaft. Geht es den Landwirten gut, geht es diesen Betrieben gut; geht es diesen Betrieben gut, geht es Uelzen gut.

Die Landwirte haben die Themen, die ihnen auf den Nägeln brennen, sehr klar benannt. Es geht um die immer strenger werdende Reglementierung in Bezug auf Tierwohl und Umweltschutz. Die Kosten zur Erfüllung der Auflagen müssen die Betriebe schultern, ohne dass entsprechend höhere Preise durchsetzbar sind. Auch die internationale Konkurrenz wird in dem Moment zum Problem, wo man aufgrund strenger Umwelt- und anderer Auflagen nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Die Landwirte vermissen eine klare Zukunftsperspektive. Herr Feiler lobte in diesem Zusammenhang den Niedersächsischen Weg, durch den ein Miteinander von Umweltschutz und Landwirtschaft gefördert wird.

Aber nicht nur die „große“ Politik, sondern auch kommunale Themen spielen für die Landwirte eine große Rolle. Ihr Land ist Produktionsfaktor – deshalb dürfen wir sie bei Straßenreinigung und Straßenausbaubeiträgen nicht übermäßig belasten. Es kann nicht sein, dass ein Landwirt für dieselbe Fläche dreimal zur Kasse gebeten wird, weil sie an drei verschiedene Straßen grenzt.

Beim Thema erneuerbare Energien sind die Landwirte Vorreiter: Auf nahezu jedem dazu geeigneten Hallendach ist eine Photovoltaik-Anlage montiert. Zu prüfen ist, an welchen Stellen darüber hinaus Agrophotovoltaik Sinn macht, z.B. als Zäune oder auch über Flächen.

Ganz wichtig ist vielen Landwirten und auch mir, den Stadtmenschen die moderne Landwirtschaft zu erklären und dadurch näherzubringen. Der beste Weg führt über die Jüngsten. Ich setze mich deshalb dafür ein, dass alle Grundschüler wenigstens einmal im Jahr die Möglichkeit haben, Landwirtschaft aus nächster Nähe zu erleben. Aber nicht nur den Schulkindern, sondern auch dem Rest der Gesellschaft müssen wir zeigen, dass die Landwirte ein zentraler Teil unserer Gesellschaft sind. Ein guter erster Schritt auf diesem Weg ist für mich ein großes Erntedankfest in Uelzen!